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Hubert Hoffmann gewidmet

Diese Seite ist meinem Bauhausmentor Hubert Hoffmann (1904-1999) gewidmet, dem ich viele Informationen und manche Anekdote über das Bauhaus verdanke. Er hat mich fast 15 Jahre teilhaben lassen, an seinem detailreichen Wissen und den vielen Kontakten zu anderen Bauhäuslern. Mit seiner Begeisterung hat er mich angesteckt mit dem “Bauhausvirus”. Durch ihn habe ich gelernt, dass das “Bauhaus” nicht nur eine Epoche bestimmende Hochschule war, sondern vor allem auch eine Lebensauffassung!

Harald Wetzel

Hubert Hoffmann, geboren am 23. März 1904 in Berlin-Zehlendorf, verbrachte seine ersten Lebensjahre auf dem Monte Verita bei Ascona, wo der Vater als Architekt tätig war. Die Schule besuchte er in Hannover, anschließend absolviert er eine landwirtschaftliche Lehre in Ostfriesland. Danach studierte Hoffmann an der Bauschule, der Kunstgewerbeschule und der Technischen Hochschule in Hannover, für ein Jahr auch an der Münchner Kunstakademie.

Erst am Bauhaus Dessau fand Hubert Hoffmann 1926 die ideale Ausbildungsstätte. Er schrieb sich unter Nr. 124 für das Wintersemester 1926/27 ein und durfte gleich zu Beginn die Fertigstellung des Bauhausgebäudes miterleben. Zu seinen Lehrern zählten bis 1929 u.a. Walter Gropius, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Laszlo Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer, später auch Hannes Meyer, Joost Schmidt und Alfred Arndt. Er war an verschiedenen Projekten zur Erweiterung der Siedlung Törten beteiligt und arbeitete in der Reklameabteilung mit.

Nach dem Studium war Hubert Hoffmann zwischen 1929 und 1932 u.a. im Büro von Fred Forbat und Marcel Breuer in Berlin tätig und richtete für eine Tischlerei mehr als 50 Lebensmittelläden nach einem Baukastensystem ein. Nebenbei war er als Hospitant weiter am Bauhaus und arbeitete mit Wilhelm Jacob Hess und Cornelius van der Linden an der „Analyse von Dessau“, die 1933 auf dem CIAM-Kongress in Athen vorgestellt wurde.

Von 1934 bis 1936 war Hubert Hoffmann Assistent bei Prof. Müller am Institut für Kraftverkehr und Städtebau der TU Berlin, übernahm anschließend eine Stelle als Landesplaner in der Grenzmark Posen. Von 1938 bis 1939 war er für kurze Zeit als Stadtplaner in Potsdam tätig, wurde dann 1940 zur Wehrmacht eingezogen, für die er u.a. als Raumplaner in Litauen tätig war. Zum Kriegsende gerät er als Mitarbeiter der Akademie für Städtebau in der Nähe von Magdeburg für kurze Zeit in amerikanische Gefangenschaft.

Nachdem Krieg war Hubert Hoffmann für wenige Monate Stadtplaner in Magdeburg und ab Ende 1945 dann in Dessau. Unter dem wieder eingesetzten Oberbürgermeister Fritz Hesse arbeitete er an der Wiedereröffnung des Bauhauses und ordnete erste Sicherungsmaßnahmen für die z.T. schwer beschädigten Bauhausbauten an. Mit einer Gruppe ehemaliger Bauhäusler nahm er als “Planungsgemeinschaft Bauhaus” zwischen 1946 und 1948 an zahlreichen Wettbewerben teil. Sein Versuch der Wiederbelebung des Bauhauses scheiterte schließlich an den politischen Verhältnissen in der russischen Besatzungszone. Er wurde denunziert und musste in den Westen fliehen.

Hubert Hoffman ließ sich in Westberlin nieder und arbeitete im Bauentwurfsamt. Ab 1953 war er als freier Architekt u.a. für Hans Scharoun und Walter Rossow tätig und beteiligte sich an den Planungen für das Hansaviertel in Berlin. Gemeinsam mit Wassily Luckhardt baut er 1957 das Haus Nr. 9 zur INTERBAU.

1959 folgt Hubert Hoffmann einer Berufung zum ordentlichen Professor und Leiter des Instituts für Städtebau und Entwerfen an die Technische Hochschule Graz (heute TU). Es entstanden zahlreiche Projekte in Österreich, vor allem in der Steiermark und in Vorarlberg. Hoffmann beteiligte sich aber auch an verschiedenen Wettbewerben in Deutschland.

1965 wurde er als Gastlehrer an die Auburn-University in Alabama/USA berufen. Im gleichen Jahr gewann er mit einem Team von Mitarbeitern den Wettbewerb für die Elektrotechnischen Institute der TU Graz, die von 1968 bis 1972 realisiert werden konnten.

In den 1970er Jahren war Hubert Hoffmann engagierter Berater von Bürgerinitiativen und oft selbst auch Initiator. Nach seiner Emeritierung 1975 arbeitete er gemeinsam mit seinem ehemaligen Schüler Arnold Werner als Architekt und Planer in St. Veit bei Graz.

In jenen Jahren rückte das inzwischen schon historische Bauhaus stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und Hubert Hoffmann wurde zu einem der glühendsten Protagonisten. Unermüdlich und engagiert ließ er kaum eine Gelegenheit verstreichen, um sich öffentlich zu diesem Thema zu äußern. Nebenher war er ebenso unermüdlich und engagiert als Stadtplaner und Architekt tätig, arbeitete bis ins hohe Alter an zahlreichen Planungen und Bauten.

1983 durfte Hubert Hoffmann erstmals zu einem Bauhaus-Kolloquium in die DDR einreisen. Die hatte ihm seinen Beitrag über die Wiederbelebung des Bauhauses nach 1945 in Eckhard Neumanns Buch „Bauhaus und Bauhäusler. Erinnerungen und Bekenntnisse“ übelgenommen und ihn seit 1971 ausgegrenzt. Ab 1988 besuchte er Dessau und das Bauhaus regelmäßig auf seinen Fahrten nach Berlin zur Akademie der Künste, deren Mitglied er seit 1972 war. Zuletzt besuchte er Dessau im Dezember 1996. Zum 70. Jahrestag der Eröffnung des Bauhausgebäudes war er ein inzwischen seltener Zeitzeuge. Es war sein letztes Bauhausfest – das Bauhaus wurde in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen – und Hubert Hoffmann war noch einmal unermüdlicher Erzähler und ausdauernder Tänzer.

Am 25. September 1999 verstarb Hubert Hoffmann im 96. Lebensjahr in Graz.

Hubert Hoffmann 1986, Foto: Arnold Werner
Reihenhaus-Entwurf 1929
Entwurf für einen Lebensmittelladen 1929
Zerlegbarer Tisch 1946, Foto: unbekannt
Wettbewerbsentwurf rund um den Zoo, Berlin 1948
Bundesjugendherberge Bonn-Venusberg 1953 mit Müller, Rausch und Wewerka, Foto: unbekannt
Kunststoffhaus im Hansa-Viertel Berlin 1956 mit W. Luckhardt, Foto: unbekannt
Elektrotechnische Institute der TU Graz 1965-70, Foto: unbekannt
Hubert Hoffmann und Carl Marx 1988 in Dessau